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Nicht jede Maßnahme zur Kundenbindung ist erfolgreich
Die Frankfurter
Allgemeine Zeitung schreibt in einem Artikel vom 28. Februar
1999, daß verstärkte Kundenorientierung in Unternehmen
nicht automatisch zu mehr Umsatz führt. Es sei zwar wichtig,
auf Märkten mit zunehmenden Wettbewerb durch Service Kunden
zu binden und neue Kunden zu gewinnen, aber nicht jede Maßnahme
bringe die gewünschte Wirkung : Nur 55 Prozent der Unternehmen,
die Maßnahmen zur Kundenbindung durchführten, erreichten
damit auch eine Umsatzsteigerung. Bei 30 Prozent der Unternehmen
bliebe der Umsatz trotz verbessertem Service gleich, bei jedem
zwanzigsten Unternehmen sei er sogar gesunken. Die Zeitung bezieht
sich bei diesen Ergebnissen auf eine Befragung von 250 Unternehmen
aller Branchen und Betriebsgrößen, die das Marktforschungsunternehmen
Infolab Research in München durchgeführt hat.
Zwischen dem Deckungsbeitrag
und der stärkeren Kundenorientierung ergäbe sich eine
noch stärkere Divergenz : Nur bei einem Drittel der Unternehmen
sei der Deckungsbeitrag nach Kundenbindungsmaßnahmen gestiegen,
während er bei 43 Prozent unverändert und bei 13 Prozent
aufgrund der höheren Kosten sogar gesunken sei. Die Frankfurter
Allgemeine führt aus, daß es auf das Wie ankommt, denn
nicht jede Maßnahme ist gleich erfolgreich. Verbesserungen
von Umsatz und Deckungsbeitrag würden vornehmlich solche
Unternehmen erreichen, die mehrere kundenbindende Aktivitäten
kombinierten. Als erfolgreich hätten sich folgende Maßnahmen
erwiesen :
- Einrichtung einer
bundesweit einheitlichen Gratis-Telefonnummer für Kundenanrufe
(Service 0130 oder 0800)
- Informationsangebote
für Kunden, die im Internet abrufbar sind
- Angebot von zusätzlichen
Serviceleistungen, für die die Kunden einen Preis zu bezahlen
haben, also kein Gratisservice
- Mehrmals im Jahr
telefonischer oder persönlicher Kontakt mit zufällig
ausgewählten Kunden und die Nachfrage der Zufriedenheit
- Ein Gespräch
mit den Kunden auch ohne unmittelbare Verkaufsabsicht.
Eine besonders positive
Wirkung auf den Deckungsbeitrag hätten Maßnahmen, die
sich in der persönlichen Beziehung zwischen Unternehmen
und Kunden abspielen. So sei es offensichtlich eine erfolgreiche
Praxis, sich bei Kunden für Beschwerden zu bedanken und sich
aktiv für entstandene Unanehmlichkeiten zu entschuldigen.
Mit der Beschwerde gebe der Kunde im Grunde genommen kostenlose
Unternehmensberatung, zitiert die Frankfurter Allgemeine die Münchener
Marktforscher.
Die Kunden von Unternehmen,
die neben den genannten Maßnahmen ihre Mitarbeiter regelmäßig
in kundenorientiertem Verhalten schulten (zehn Tage und mehr im
Jahr), die auch Innendienstmitarbeiter auf Kundenbesuche schickten
und deren Führungspersonal für Kunden telefonisch per
Durchwahl direkt zu erreichen waren, wären ganz besonders
zufrieden gewesen. Außerdem steigere der Einsatz von Kunden-Newslettern
und –Zeitschriften ebenfalls die Kundenzufriedenheit.
Der Druck, etwas für
die Kundenbindung zu tun, steige nach Ansicht der Frankfurter
Zeitung im allgemeinen an. Dies würde eine Untersuchung der
Unternehmensberatung Droege aus Düsseldorf belegen. Laut
dieser Untersuchung seien seit 1995 Preisnachteile als
Grund für Kundenabwanderung sukzessive unwichtiger geworden.
Es seien heute Nachteile im Service zweitwichtigster Abwanderungsgrund
für die Kunden (34%) führt das Blatt mit Hinweis auf
die Düsseldorfer Untersuchung aus. In ein bis zwei Jahren
dürfte bei Fortsetzung dieser Entwicklung der Servicenachteil
zum wichtigsten Abwanderungsgrund werden.
Die am häufigsten
genutzten Kundenbindungsmaßnahmen seien maßgeschneiderte
Produkte trotz Massenfertigung, kundenindividuelle Servicepakete,
Anwenderschulungen, Kundenseminare, Hilfe bei vorübergehenden
Zahlungsengpässen des Kunden, die Zusage von Just-in-time-Belieferung
sowie die Zusage genau definierter Servicestandards. Preisnachlässe
für Stammkunden wären als Anreiz für eine erhöhte
Kundenloyalität ein effektives Mittel. Jedoch würden
Kundenkarten nur von 4 Prozent der Unternehmen eingesetzt, während
im Einzelhandel der Anteil doppelt so hoch sei. Die Karten würden
genutzt, um einen besonderen Stammkundenrabatt zu gewähren,
bevorzugten Zugriff auf Sonderangebote zu gewähren und limitierte
Angebote nur für Kartenkunden aufzulegen.
Kundenclubs
sind nach den Resultaten der Münchener Markforscher nur wenig
verbreitet. Gerade vier Prozent der Unternehmen würden eine
derartige Einrichtung unterhalten, obwohl 76 Prozent der Unternehmen
mit Kundenclub über Umsatzsteigerung berichten könnten.
Allerdings seien Aufbau und Management eines Kundenclubs mit erheblichen
Aufwand von Managementressourcen und Kosten verbunden. Außerdem
solle man die Mitgliedschaft nicht kostenlos vergeben, damit beim
Kunden nicht der Eindruck entstünde "Was nichts kostet,
ist nichts wert". Außerdem würden die Clubbeiträge
der Mitglieder das Unternehmen daran erinnern, wirklich nützliche
Angebote zu machen.
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