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eCommerce - Risiken und Chancen

"Das Internet und seine Möglichkeiten verändern nicht nur die Gewohnheiten der einzelnen Menschen, sondern auch die Strukturen der gesamten Wirtschaft, sei es bei Einkauf, Produktion oder Vertrieb. Fraglos wird die gigantische Umwälzung schon allein durch eCommerce zu erheblichen Umverteilungen insbesondere im Handel führen. Firmen und Organisationen, die jetzt nicht schnell genug handeln, werden die Verlierer sein. Ein Großteil der deutschen Firmen ist noch überhaupt nicht auf diese Entwicklung vorbereitet. Für sie ist es höchste Zeit, in die neuen Welten des Internet einzusteigen." Peer Blumenschein, Softline AG

eCommerce – Was ist das?
Der Begriff Electronic Commerce unterliegt keiner einheitlichen Definition. Stark verallgemeinernd könnte die Definition auf folgende Formel reduziert werden: Electronic Commerce kann als ein Vorgang verstanden werden, der die umfassende, digitale Abwicklung von Geschäftsprozessen über globale private und öffentliche Netze ermöglicht. Bezüglich der Geschäftsprozesse kann dabei in Beziehungen zwischen Unternehmen, unternehmensinternen Prozessen und den Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten unterschieden werden.

Falsche Erwartungen
Im täglichen Sprachgebrauch wird der Begriff eCommerce allerdings viel zu oft auf das Führen eines OnlineShops reduziert, obwohl diese zu enge Definition den Möglichkeiten des elektronischen Geschäftsverkehrs nicht gerecht wird. Aus dieser Simplifizierung und oftmals einer naiven Haltung gegenüber dem Internet heraus wird in vielen Vorstandsetagen und Geschäftsführungen der Ruf nach einer eigenen Shop-Lösung laut. Jedoch macht sich hier nach kurzer Zeit tiefe Enttäuschung über unbefriedigende Umsatzzahlen breit. Verwirrende Programmierung der Shops, einfallslose Anpassung herkömmlicher Kataloge an das Medium Internet, ungenügendes Marketing und vor allem mangelnder Service lassen die erwarteten Umsätze ausbleiben. Die Erwartung, durch einen Online Shop gleichsam über Nacht Millionen zu verdienen, wird genährt durch die zahlreich publizierten Statistiken über aktuelle und zukünftige Umsatzzahlen des elektronischen Handels. So lassen die gigantischen Zahlen die wahre Dimension des Geschäftsverkehrs über elektronische Netze nur schwer erkennen. Die respektablen Größen vergessen zum einen den Vergleich mit dem Gesamtvolumen der Märkte: Einige Milliarden Dollar Umsatz per Internet sind eben nur Promille in Bezug auf das globale Handelsvolumen von einigen Billionen Dollar. Zum anderen stammen die veröffentlichten Zahlen großteils aus den USA, wo allein geographisch bedingt, ein von Deutschland abweichendes Einkaufsverhalten herrscht: Wenn die Anschaffung eines neuen Computers eine Reise von 200 Meilen zum nächsten Computerhändler bedeutet, ist die elektronische Bestellung per Mausklick aus dem Wohnzimmer heraus kostengünstiger und effektiver.

Geringes Risiko
"Auf einer Skala von Null bis Hundert sind wir vielleicht bei Eins oder Zwei." IBM-Chef Lou Gerstner liefert mit seiner Einschätzung des Entwicklungsstands des Internets einen realistischen Ansatzpunkt für die sinnvolle Nutzung der neuen Medien, trotz aller Ernüchterung. Es geht heute darum, die Möglichkeiten des Internets für die firmeneigenen Ziele einzusetzen und möglichst früh Erfahrungen zu sammeln. Der ECC (European Communication Council), eine Gruppe unabhängiger Wissenschaftler aus Europa und den USA, die sich mit den Auswirkungen der Informationstechnik auf die Wirtschaft befassen, hat u.a. folgende Thesen zur Nutzung des virtuellen Marktes aufgestellt:

  • Durch globale Märkte, virtuelle Produkte und Services sowie eine individuellere Kundenbetreuung ändern sich die ökonomischen Spielregeln in jeder Branche.

  • Digitale Vertriebsstrukturen eröffnen neuen Anbietern die Chance, ohne hohe Investitionen in bisher abgeschottete Märkte einzudringen. Im veränderten Wettbewerbsumfeld werden nur Unternehmen bestehen, die Kunden frühzeitig den Kontakt zum Kunden über das Internet suchen und hier vor allen Dingen Mehrwert bieten.

Weiterhin lassen sich folgende eindeutige Vorteile über das Internet realisieren:

  • Erhöhter weltweiter Bekanntheitsgrad eines Unternehmens.
  • Intensivierung des Kundenkontaktes
  • Neukundengewinnung
  • Marktdurchdringung
  • Erhalt der Konkurrenzfähigkeit
  • Behauptung der Marke
  • 24 h Erreichbarkeit
  • Aktualität der bereitgestellten Informationen zu niedrigen Kosten
  • Schnelle Wandelbarkeit
  • Modernes Firmenimage
  • Frühzeitige Erfahrungen

Statistik der Themen

Berücksichtigt man weiterhin das Einkaufsverhalten der Deutschen, die Anzahl der deutschen Internetnutzer und deren rasante Zunahme, wird schnell klar, daß es für nahezu jede Branche geboten ist, sich heute mit eCommerce auseinanderzusetzen: In Deutschland gibt es 66 Millionen Personen über 18 Jahre, von denen 11 Millionen das Internet nutzen. Weltweit kommen pro Minute 36 neue Internetnutzer hinzu. Während der Online-Verkauf in Deutschland im Vergleich zum internationalen Markt nur sehr träge vorangeht, nutzen 83% der Internetnutzer das Medium, um sich über Produkte zu informieren, die sie anschließend in der physischen Welt erwerben. S. Grafik. Forrester Research kommt daher zu dem Schluß, daß die viele Internetpräsenzen momentan eher als Marketinginstrument, für den Kundendialog und den Kundendienst, als Werbemittel und schließlich als Informationsmedium geeignet sind. Die meisten Geschäftsvorfälle wurden schon immer auf große Entfernungen gemacht wurden, entweder per Fax, Telefon, Post oder private elektronische Netze. Die Übertragung auf das Internet macht sie heute schon billiger, schneller und einfacher.

Analysten sagen voraus, daß in 5 Jahren jeder dritte Europäer das Internet nutzen wird. Dabei wird die Nutzung des Internets, nach einer Vision von Bill Gates, dem Chef von Microsoft, ähnlich selbstverständlich werden wie die Nutzung des Telefons. Unter diesen Aussichten fällt es schwer, die teilweise kargen Online-Auftritte und mangelhafte Nutzung der elektronischen Netze vieler Unternehmen nachzuvollziehen. Diese Unternehmer führen vielfach Argumente, wie zu hohe Kosten, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und nicht übertragbare Anwendungsbereiche ins Feld. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend, die geprägt ist von stetig besser werdenden technischen Voraussetzungen, einem Preiskrieg der Internetprovider und innovativen, dynamischen Dienstleistern, können die genannten Argumente allerdings lediglich als Ausreden gewertet werden, die eigene Trägheit und Unwissenheit zu verbergen.

"Die globale Vernetzung verspricht einen größeren Einfluß auf unsere Zivilisation zu bekommen, als wir es der Erfindung des Schreibens zu verdanken haben." meint Al Gore, US-Vizepräsident. Dieser Prognose folgend, empfiehlt auch Arnold Picot, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitautor des ECC, die Vernetzung zu nutzen: "Das größte Risiko besteht darin, die enormen Chancen nicht wahrzunehmen."

20.11.1999, //infoworks


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