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Wo ist das Unternehmen positioniert?

Ein Wanderer kommt an eine Kreuzung. Es führt ein Pfad nach links, ein anderer nach rechts. Wohin soll er sich wenden? Welcher Pfad führt ihn in das langersehnte Gasthaus? Ohne Hinweise über seine aktuelle Position, wäre die eine Entscheidung ebenso richtig und falsch zugleich wie die andere. Selbst der Besitz einer Karte des Waldes, in dem unser Held sich aufhält, würde ihm nichts nutzen, wüßte er nicht über seine Position Bescheid.

Der Markt schreit nach einer Internetpräsenz für jedes Unternehmen. Die Vorzeichen stehen günstig, hilfsbereite Internetagenturen stehen in den Startlöchern. "Geboten schnell - zu schnell getan." Es ist die Definition der Ausgangslage und der Zielsetzung des Internetauftritts, die eine erfolgreiche Integration des Internet in ein Unternehmen von einer Tragödie der Übereilung unterscheidet, von der bereits der große Weimarer Dichter zu berichten wußte.

Nur, wenn der Wandersmann seine Position und sein Ziel kennt, ergibt sich für ihn eine Richtung. Auf der Karte ist ein Vektor entstanden. Jetzt weiß er Indizien, wie den Stand der Gestirne und das Moos an den Bäumen zu deuten und in seine Entscheidungen einzubinden. Er kann sich jetzt entspannt auf den Weg machen, denn er weiß, wenn ihn seine Sinne nicht trügen und er auf die Zeichen achtet, die ihm unterwegs zuteil werden, wird er sein Ziel erreichen. Auch wenn er seine Richtung möglicherweise noch korrigieren muß.

Der Weg ist das Ziel. Die Dynamik moderner Märkte fordert eine schnelle Wandelbarkeit, um nicht an Gestrigem zu ersticken. Wandelbarkeit, die modernen Firmen evolutionäres Marketing ermöglicht und abverlangt. Die Internetintegration ist hierfür entweder ein guter Einstieg oder eine logische Fortsetzung. Unter dem Blickwinkel der Evolution ist das Unternehmen ein offenes System in bezug auf seine Umwelt. Daher ist Marketing die organische Verlängerung des Unternehmens in seine Umwelt hinein. Evolutionäres Marketing nimmt keine starre Trennung zwischen dem Kunden und dem Angestellten, firmeninternen und -externen Beziehungen vor. Alle Beteiligten nehmen in unterschiedlichen Rollen und Funktionen am System teil. Die Frage nach der Unternehmensposition ist abhängig von den gesteckten Zielen nicht nur eine Frage nach Zahlen und Markenbewußtsein, sondern ebenso eine Frage unternehmensinterner und -externer sozialer Interaktionen.

Anhand folgender Parameter läßt sich die Frage nach der Stellung des Unternehmens und seiner Produkte eingrenzen:

Position der Produkte

  • Welche Produkte bietet das Unternehmen an?
  • Wie groß ist die Produktpalette? (Anzahl Branchen, Anzahl Kategorien, Anzahl Artikel)
  • In welche Konkurrenzsituation begibt sich das Unternehmen durch die Produktpalette? (In welchen Bereichen existieren Mitbewerber und wer führt in den einzelnen Bereichen den Markt an?)
  • In welchem Verhältnis stehen die Produkte zu denen der Mitbewerber (Preis, Qualität, Absatzvolumen)
  • Welche Nischen besetzt das Unternehmen mit seinen Produkten? (z.B. Arbeitskleidung, Kinderkleidung, Sportkleidung, etc.)
  • In welchen Bereichen haben die Produkte eine starke Position? (Kategorien, Länder)
  • In welchen Bereichen möchte das Unternehmen seine Position ausbauen?
  • Welche Bereiche möchte das Unternehmen sich zukünftig erschließen?
  • Wie werden die Produkte vom Markt angenommen? (Lange Anlaufphasen, saisonale Schwankungen, mit freudiger Erwartung)
  • In welchen Zyklen wird die Produktpalette erneuert? (In allen Bereichen dieselben Zyklen? Was geschieht mit den Restlagerbeständen? Werden die restlichen Lagerbestände ein einer anderen Kategorie weiterverkauft oder im Ausland vertrieben?)

Position der Marke

  • Welches Markenbewußtsein hat die Marke bisher erreicht? (Hat das Unternehmen Assoziationen besetzt, wie z.B. "Cola". Jeder weiß sofort, daß es sich um ein Getränk handelt.)
  • Beeinflußt das Unternehmen den Markt, indem es Trends setzt oder läßt es sich vom Markt beeinflussen?
  • Welches Image versucht das Unternehmen zu vermitteln?
  • In welchem Verhältnis steht das Image von dem Unternehmen zu dem der Mitbewerber?

Position zu den Kunden

  • Welche Bedeutung haben Kundenimpulse für das Unternehmen?
  • Ist das Unternehmen offen für Impulse und werden diese in die Unternehmensstruktur integriert?
  • Strebt das Unternehmen eher eine interaktiv vernetzte Kundenbeziehung oder eine beobachtende und manipulative Kundenbeziehung an?
  • Hat das Unternehmen eine Global player Position? (Mit welcher Souveränität lassen sich Beziehungen zu Angestellten, Kunden, Lieferanten etc. pflegen?)
  • Sind die Beziehungen zu Angestellten und Kunden hart, vertikal und objektiv oder strebt das Unternehmen nach eher horizontalen Beziehungen, die wechselseitige Bedürfnisse befriedigen?

Anhand dieser Erläuterungen wird Logik der Einbettung dieser Frage (2.3.2*) zwischen den verfolgten Zielen der Internetpräsenz (2.3.1) und den Unternehmensstrategien (2.3.3) deutlich: Ohne Kenntnis über die aktuelle Position ist es schwierig, eine Entwicklung der Unternehmensstruktur erfolgreich umzusetzen. Lösungen des "grünen Tisches" werden Mitarbeitern und Kunden oft auferlegt. Anstatt Veränderungen als langsamen Prozeß voranzutreiben und alle Beteiligten des oben beschriebenen offenen Systems in diesen Prozeß zu integrieren, wird häufig verlangt, von Heute auf Morgen die persönlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen umzustrukturieren. Konsequenterweise kann dies leicht zur Nichtannahme der neuen Strukturen, Instrumente und Technologien führen und die hoch gesteckten Ziele tief fallen lassen.

*In Anlehnung an "Projektmanagement Internetauftritt - Ein Leitfaden, infoworks, 2/99"

21.01.2000, //infoworks

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