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Reibungsloser Projektablauf
Die Korrekturphase und Abnahme eines (Internet-)Projektes birgt
mitunter ein großes Potential gefährlicher Mißverständnisse
und Spannungen zwischen ausführenden Organen, Projektmanager
und Kunde. Trotz akribischer Analyse der Kundenansprüche, stundenlanger
gemeinschaftlicher Zielvereinbarungen und vermeintlich genauer Formulierungen
der durchzuführenden Projektschritte, kann die unterschiedliche
Perspektive von Dienstleister und Kunde als Quelle von Uneinigkeiten
nicht ausgeschlossen werden. Viele Aspekte eines (Internet-)Projektes
unterliegen einer zwangsläufig subjektiven Bewertung.
Um Mißverständnisse und daraus eventuell entstehende
Streitigkeiten zu vermeiden, hat es sich bewährt, einige wenige
Grundregeln im Miteinander von Kunde und Dienstleister zu beachten,
deren Einhaltung vor Beginn des Projekts (vertraglich) fixiert werden
sollte.
1. Mitwirkpflicht
Ein (Internet-)Projekt kommt nur durch die Mitwirkung von mindestens
zwei Parteien zustande: Auftraggeber und Auftragnehmer. Wenngleich
der Hauptteil der Arbeit zweifellos auf seiten des Auftragnehmers
zu finden sein wird, kann dieser ohne die Unterstützung seines
Auftraggebers nicht effektiv arbeiten. Ein Projekt(ablauf) ist
daher immer nur so gut, wie das schwächste Glied aller Mitwirkenden.
2. Material
Vielfach wird ein (Internet-)Projekt gestartet, ohne daß zu
diesem Zeitpunkt bereits alle Materialien vollständig vorliegen.
Dies ist logisch, da zu Beginn eines Projektes meistens keine präzise
Ziel- oder Struktur- bzw. Inhaltsdefinition vorliegt. Es gilt jedoch
für Kunde und Lieferanten, nach Abschluß der inhaltichen
Konzeption das notwendige Material ohne Verzögerungen zusammenzustellen.
Vielfach geraten (Internet-)Projekte ins Stocken, weil Material
zur Vollendung weiterer Teilschritte nicht geliefert werden kann:
Entweder gibt der Photograph technische Schwierigkeiten an oder
die einzelnen Arbeitsgruppen können sich nicht über die
Zugehörigkeit von Texten zu Rubriken einigen oder die Texter
melden andere Gründe für die Nicht-Fertigstellung von
Texten. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortführen.
An dieser Stelle kann es auf Kunden- und auf Dienstleisterseite
zu erheblichen Mißstimmungen kommen: Der Kunde wünscht
sich die Fertigstellung seines Projektes durch den Dienstleister
und kann diesem unter bestimmten Konstellationen schlechtes Projektmanagement
vorwerfen. Sei es, dass der Dienstleister externe Lieferanten oder
sogar Mitarbeiter oder Abteilungen aus dem eigenen Hause des Kunden
schlecht oder zu wenig überwacht hat.
Der Dienstleister, der möglicherweise bisher schon einen
großen Teil des Projektes fertiggestellt hat und damit auf
seiner Seite viel Zeit und Kosten investiert hat, wünscht
sich natürlich eine zügige Fertigstellung, Abnahme und
Ausgleich der Rechnung für das Projekt. Diese muß der
Auftraggeber ihm zu diesem Zeitpunkt verwehren, weil das Projekt
noch nicht fertiggestellt ist.
Vermeiden Sie derartige Komplikationen, indem Sie vor Beginn
von Produktionsschritten mit allen Beteiligten (Kunde, Dienstleister,
externe Lieferanten) exakt und schriftlich klären, wann welche
Materialien vorzuliegen haben. Kommt es dennoch zu Verzögerungen,
ist der Verantwortliche leicht ausfindig zu machen und entsprechende
Konsequenzen können durchgesetzt werden.
3. Planung und Strukturierung
Selbst kleinste Projekte sollten im Vorfeld geplant und strukturiert
werden. Es ist pures Glück, wenn es dem Dienstleister gelingen
sollte, nach dem ersten Briefing durch den Auftraggeber ein Projekt
zu vollenden und damit exakt den Ansprüchen des Kunden zu genügen.
In nahezu allen Fällen sind korrigierende Maßnahmen angezeigt.
Die Korrekturschritte an einem (Internet-)Projekt sind maßgeblich
dafür verantwortlich, ob das kalkulierte Budget eingehalten
werden kann. Es sollte also sowohl im Interesse des Kunden (ggf.
höhere Kosten), als auch im Interesse des Dienstleisters
(ggf. mehr Arbeitszeit bei unverändertem Budget) liegen,
daß die Korrekturschritte mit maximaler Effizienz durchgeführt
werden können. Daß eine grundsätzliche Veränderung
des Designs einen immensen Aufwand bedeutet, wenn die WebSite
inklusive Programmierung komplett fertiggestellt wurde, ist wohl
das einleuchtendste Beispiel für ineffizientes Projektmanagement.
Den geringsten Korrekturaufwand verursachen naturgemäß
kleine Teilschritte. Teilen Sie daher im Vorfeld das Gesamtprojekt
in möglichst viele kleine Einzelschritte auf.
Muster eines
vorstellbaren Projektablaufs (PDF, 10kB)
Muster
eines vorstellbaren Projektablaufs Seite 2 (PDF, 9kB)
Die beste Planung eines Projektes schützt vor Komplikationen
nicht, wenn die Parteien sich nicht an den vereinbarten Ablauf
halten. Es hat nichts mit Pedanterie zu tun, wenn beide Parteien
regelmäßig den Status des Projektes mit den anfänglich
vereinbarten Terminen vergleichen und sich gegenseitig auf Abweichungen
hinweisen.
4. Kommunikation
Die Verständigung über minimale Projektfragmente erfordert
eine stete Kommunikation zwischen Kunde und Dienstleister, aber
genau diese Kommunikation bietet die Möglichkeit des notwendigen
Sich-Kennenlernens und verhindert gefährliche Mißverständnisse.
Jeder Kunde und jeder Lieferant haben unterschiedliche Denkweisen,
Auffassungen und Vorstellungen von dem Projekt. Nicht zuletzt
aufgrund der bisherigen Erfahrungen aus anderen Projekten mit
anderen Auftraggebern oder Auftragnehmern. Diese unterschiedliche
Perspektive des anderen gilt es verstehen zu lernen, um sich einander
annähern zu können. Häufige Korrespondenz über
winzige Teilschritte trägt zu diesem Prozess erheblich bei:
Der Kunde lernt, wie er seine Ansprüche zu formulieren hat
und der Dienstleister lernt, wie er die Leistung zu vollbringen
oder zu präsentieren (!) hat.
5. Abnahme von Teilschritten
Sowohl für den Kunden, als auch für den Dienstleister
ist die schrittweise Verständigung und Abnahme für das
Projekt in vorher vereinbarten Teilschritten wichtig. Der Dienstleister
ist durch die schriftliche Abnahme von vorhergehenden Schritten
an seine Zusagen gebunden. Gleichzeitig ist für ihn durch
dieses Vorgehen vom Kunden schriftlich bestätigt worden,
dass er (zumindest einen Teil) des Projektes ausgeführt hat.
(In Zeiten mangelnder Zahlungsbereitschaft ein wichtiges Argument.)
Es ist weder für den Kunden, noch für den Lieferanten
sinnvoll, weitere Teilschritte durchzuführen, obwohl die
Abnahme eines vorhergehenden Teilschritts noch nicht erfolgt ist
(s.o.).
Ein vorstellbares Prozedere in der Abnahme von Teilschritten
könnte folgendermaßen aussehen:
| a. Kunde formuliert Ansprüche |
| b. Dienstleister formuliert schriftlich aus Ansprüchen
ein Ziel |
| c. Kunde bestätigt Ziel schriftlich |
| d. Dienstleister produziert vereinbartes Ziel |
| e. Kunde meldet Korrekturwünsche vollständig,
detailliert und schriftlich an |
| f. Dienstleister setzt Korrekturwünsche um, Bereitstellung
Korrekturprotokoll für Kunde |
| g. Kunde meldet ggf. Nachbesserung der Korrekturen an (schriftlich,
detailliert, vollständig) |
| h. Dienstleister setzt Nachbesserung um (Korrekturprotokoll) |
| i. Kunde nimmt Produkt ab. |
Für beide Parteien ist eine schritliche Vereinbarung über
den Termin zur Anmeldung der Korrekturwünsche und zu deren
Umsetzung wichtig. Nur durch die schriftliche Vereinbarung kann
der Dienstleister, sich nicht beliebig Zeit mit den Korrekturen
lassen und so wird für den Kunden eine termingerechte Fertigstellung
seines Projektes gewährleistet. Gleichzeitig kann der Kunde
nicht durch eine beliebige Wiederholung und Hinauszögerung
der Schritte f bis h die Abnahme und damit die Zahlung des Projekts
hinauszögern.
Um für den Kunden keine Folgekosten enstehen zu lassen und
dem Dienstleister eine maximal effiziente Korrekturphase zu ermöglichen,
sollte der Korrekturphase auf seiten des Kunden eine hohe Aufmerksamkeit
gewidmet werden. Er sollte alle Veränderungen, die er an
dem gelieferten Teilschritt wünscht, auf einmal zusammenstellen.
Nachträgliche Korrekturen, die theoretisch bereits im ersten
Korrekturschritt hätten genannt werden können, könnten
vom Dienstleister mit einem Aufpreis berechnet werden. (Die Nachbesserung
tatsächlicher, vom Dienstleister zu verantwortenden Mängel
von Korrekturen kann natürlich erst in einem zweiten Schritt
angemeldet werden.)
Um Mißverständnisse zu vermeiden, sollten alle Korrekturwünsche
detailliert schriftlich beschrieben und wenn möglich, sogar
skizziert werden. Undifferenzierte Äußerungen des Kunden
wie "Machen Sie das mal irgendwie schöner!" sind
für den Dienstleister ebenso wenig hilfreich wie es dem Kunden
hilft, wenn der Dienstleister eine Nachbesserung verweigert oder
in Rechnung stellen will, weil er behauptet, der Kunde hätte
die Änderung genau so gemeint. Hier existiert ein großes
Potential für Meinungsverschiedenheiten.
6. Korrekturprotokoll
Eine maximale Transparenz geleisteter Arbeiten und Korrekturen
wird durch das Protokollieren jedes Schrittes gewährleistet.
Jede durchgeführte Korrektur sollte der Dienstleister mit
Notiz des Auftrags(Korrekturwunsch)-Datums und Fertigstellungs-Datum
und ggf. der verwendeten Ressourcen protokollieren. Dieses Protokoll
sollte dem Auftraggeber nach jeder Aktualisierung unverzüglich
zur Verfügung gestellt werden. Eine eigens eingerichtete
kleine Webseite, auf die der Kunde jederzeit Zugriff hat, hat
sich als praktisch erwiesen. In kritischen Fällen sollte
dieses Protokoll jedoch per Einschreiben als Brief übermittelt
werden.
Insbesondere Software- oder Internetprojekte unterliegen während
des Produktions- und Korrekturprozesses einem steten Wandel. Um
auch nach langer Zeit nachvollziehen zu können, zu welchem
Zeitpunkt welche Korrektur oder welcher Teilschritt umgesetzt
wurde, empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen
oder vor jeder Arbeitssitzung eine Sicherungskopie des Werkes
anzulegen und unter dem aktuellen Datum zu speichern.
7. Repräsentanten
Wie bereits ausgeführt, erscheint es sehr wichtig, sich mit
der Arbeitsweise des anderen vertraut zu machen. In diesem Zusammenhang
sollten auf Kunden- und auf Dienstleisterseite Repräsentanten
(Projektmanager) bestimmt werden, die für die Dauer des Projekts
auf der jeweiligen Seite für Ablauf und Kommunikation verantwortlich
sind. Auf diese Weise wird eine Konstanz erreicht und im Falle
von Schwierigkeiten können Verantwortlichkeiten unmißverständlich
identifiziert werden.
Die Repräsentanten sollten im Vertrag schriftlich fixiert
werden.
Mitunter "stimmt die Chemie nicht." Es kann durchaus
passieren, dass dem Kunde die Art oder die Vorgehensweise des
Projektmanagers nicht gefällt. Nach kritischer Prüfung
der Situation sollte ein Austausch der Kontaktperson in Erwägung
gezogen werden. Gleiches gilt für die personelle Situation
auf Kundenseite. Stellt der Dienstleister fest, dass der Kunde
Mitarbeiter zur Betreuung des (Internet-)Projekts abgestellt hat,
die eine ungenügende Motivation oder Kompetenz für diese
Aufgabe aufbringen, sollte er sich nicht scheuen, beim Kunden
(Geschäftsführung, Vorstand, etc.) eine Verbesserung
der Situtation zu fordern.
Diese Forderung mag manchen Dienstleistern als gewagt oder unbequem
vorkommen. Sie qualifiziert den Projektmanager jedoch als ergebnisorientierten
Problemlöser. Sowohl für den Kunden, als auch für
den Lieferanten gilt hier natürlich die Wahrung größtmöglicher
Objektivität und bedingungslos sachliche Umgangsformen.
8. Projektdauer
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei der Produktion eines Internetauftritts
zu sehr nachteiligen Entwicklungen kommen kann, wenn die einzelnen
Produktionsschritte zeitlich zu weit auseinander liegen: Die eigenen
Ansprüche an die zukünftigen Internetseiten wandeln sich mit der
Zeit, die rasante Entwicklung des Mediums führt ggf. zu einem
Nicht-Gefallen der vor einem Jahr festgesetzten Ziele, mündliche
Vereinbarungen geraten in Vergessenheit, anfängliche Euphorie über
neue geschäftliche Möglichkeiten weicht einem lästigen Pflichtempfinden
etc..
9. Vertragliche Gestaltung
Das vertragliche Fixieren von Leistungen und Modalitäten ist
weder ein bürokratischer, überflüssiger Aufwand,
noch ist es ein Ausdruck von Mißtrauen gegen Kunde oder Dienstleister.
Die schriftliche Vereinbarung über zu leistende Arbeit, dem
Umgang mit deren Nicht-Erfüllung, die Rahmenbedingungen für
diese Arbeit und deren Abschluß ist heutzutage die einzige
Möglichkeit für Kunden und Dienstleister, geschäftlichen
Schiffbruch zu vermeiden. Insbesondere in erstmaligen Geschäftsbeziehungen,
sollten beide Parteien auf einem schriftlichen Vertrag bestehen.
Dabei reichen in den seltensten Fällen "hausgemachte"
Ausführungen. Eine anwaltliche Beratung zu "Standardverträgen"
sollte auf jeden Fall in Anspruch genommen werden. Vielfach reicht
die einmalige Korrektur des Vertragswerkes durch einen Anwalt aus,
das anschließend für weitere Geschäftsbeziehungen
wiederverwendet werden kann.
"Wann hat Noah seine Arche gebaut?" *
10. Schlußwort
Trotz aller Absicherungen und Verträge können Mißverständnisse
in einem vielschichtigen Projekt niemals ganz ausgeschlossen werden.
Die beste Methode, ein Projekt reibungsfrei und für beide Parteien
zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen bleibt nach wir
vor eine offene, ehrliche und permanente Kommunikation zwischen
beiden Partnern. Die genannten Maßnahmen und schriftlichen
Vereinbarungen können (und sollten !) als Unterstützung
eingesetzt werden.
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