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Manöverkritik
Aus Fehlern lernen. Nach Abschluss eines Projekts gibt es im Wesentlichen
zwei Möglichkeiten für Dienstleister und Auftraggeber:
Erstens: Beide Parteien bedanken sich für Auftrag und Leistung
und wenden sich wieder ihrem Tagesgeschäft zu. Allerdings profitieren
weder Dienstleister noch Auftraggeber über die Steigerung des
Umsatzes oder den erfolgreichen Abschluss des Projekts hinaus von
der Geschäftsbeziehung. Insbesondere kreative Internetprojekte
führen mitunter zu einer engen Zusammenarbeit von Mitarbeitern
des beauftragenden und des beauftragten Unternehmens. Aus dieser
engen Zusammenarbeit erwächst ein hohes Maß an Bekanntschaft
und Kenntnis über die Arbeitsweise der jeweils anderen Partei.
Es kann daher eine wertvolle Erfahrung oder Anregung zur Reflexion
des eigenen Verhaltens sein, wenn sich beide Geschäftspartner
nach Abschluss eines Projekts gegenseitig die Eindrücke der
Zusammenarbeit mitteilen. Dieses ist die zweite Möglichkeit,
ein Projekt zu beenden.
Diese Manöverkritik, die durchaus auch emotionale Aspekte
der Zusammenarbeit zum Thema haben kann, sollte ehrlich und offen,
aber mit einer grossen Portion Sensibilität durchgeführt
werden. Auf diese Weise können Dienstleister und Auftraggeber
ihr jeweiliges Verhalten und möglicherweise sogar ganz Arbeitsprozesse
für zukünftige Projekte optimieren, was zu einem immer
entspannterem Arbeiten und schliesslich zu einer erheblichen Zeit-
oder Kostenersparnis führen kann.
Abschlussgespräche sollten zwischen sorgfältig ausgewählten
Vertretern aller Parteien geführt werden, die vorher die Anregungen
von allen Beteiligten aus ihrem Lager gesammelt haben.
Vorteile einer Manöverkritik
- Der Dienstleister stellt seine Arbeitsweise optimaler auf den
Kunden ein.
- Aufträge werden vom Dienstleister zukünftig besser
interpretiert.
- Projektergebnisse werden näher an den Ansprüchen des
Auftraggebers erarbeitet oder präsentiert
- Der Dienstleister kann durch ein präziseres Briefing konkretere
Kalkulationen durchführen
- Eventuelle personelle Schwachstellen werden offenbart und können
professionalisiert werden.
- Kostenintensive Schwachstellen im Projektmanagement (häufige
Korrekturen, Nicht-Einhaltung von Terminen, Häufiger Meinungswechsell
etc.) können erkannt und beseitigt werden.
- Das Verständnis für die Arbeitsweise des Geschäftspartners
wird erhöht.
Offene Fragen und spezifische Merkmale der Zusammenarbeit
Ein offenes Gespräch ist für eine Rückmeldung über
Verhalten sicherlich unerlässlich. Dennoch sollte sich die
Manöverkritik nicht zu sehr in persönliche Ebenen abspielen,
sondern objektiv auf die professionelle Beziehung ausgerichtet sein.
Neben offenen Fragen sollten gezielt definierte Aspekte des Projekts
abgefragt werden:
- Zuverlässigkeit
(Wurden auf beiden Seiten alle Zusagen eingehalten)
- Ergebnisorientierte Arbeitsweise
(Hatten beide Parteien den Eindruck von einer strukturierten und
durchdachten Arbeitsweise des jeweiligen Geschäftspartners?
Wie wurde mit offensichtlichen Mängeln in der Strukturiertheit
umgegangen?)
- Pünktlichkeit
(Übergabe von Materialien, Abgabe von Teilschritten, Unterschrift
und Übergabe von Verträgen, Rechnungsausgleich)
- Flexibilität
(War der Dienstleister bereit, z.B. angesichts hohen Zeitdrucks,
auch nachts zu arbeiten? Wie ging der Dienstleister mit Ansprüchen
um, die sich während des Projekts änderten? Konnte der
Auftraggeber auch alternative Lösungsmöglichkeiten oder
unorthodoxe Methoden verstehen und akzeptieren?)
- Präzision
(Briefing, Formulierung der Ansprüche, Projektergebnisse)
- Kreativität
(des Dienstleisters)
- Kostenkontrolle
(Hat der Dienstleister seine kalkulierten Kosten einhalten können?
Konnte der Auftraggeber alle gewünschten Positionen von Anfang
an benennen? Wie wurde mit zusätzlich auftretenden Positionen
umgegangen?)
- Persönliche Umgangsformen
(Wurde trotz intensiven Zeitdrucks stets ein sachlicher Ton gewählt?
Wie ging der Dienstleister mit Kritik oder zusätzlichen Korrekturwünschen
um? Gelang es dem Dienstleister, auch den Auftraggeber zu kritisieren?
Konnte der Auftraggeber die Kritik zwischen punktueller Kritik
an einzelnen Aspekten und globaler Kritik am Gesamtprojekt differenzieren?)
- Positiva
(Es sollten unbedingt auch die positiven Aspekte der Zusammenarbeit
erwähnt werden, damit diese von beiden Parteien beibehalten
und weiterentwickelt werden können.)
- ...
Eine professionell und sachlich durchgeführte Manöverkritik,
die unbedingt einem zeitlichen Limit unterliegen sollte (abhängig
vom Projektumfang, aber maximal eine Stunde), kann zu einer hohen
Kundenbindung für den Dienstleister und zu einer kosteneffektiven
Agenturarbeit für den Auftraggeber führen. Abschlussgespräche
sollten auch nach Projekten geführt werden, die vermeintlich
reibungslos abliefen. Bei einer langfristigen Zusammenarbeit sollten
diese "Feedback"-Sitzungen in regelmässigen Abständen
(z.B. alle 3 Monate) durchgeführt werden.
Ein regelmässiger, offener Austausch führt zu einer effektiven
und entspannten Zusammenarbeit, die für alle Parteien nur Vorteile
birgt.
01.02.2003, //infoworks
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